Man lernt nie aus!

Hallo Freunde.

Ich habe mir vorgenommen in diesem blog möglichst wenig über Technik zu posten – heute wird mir das nicht gelingen…
Im letzten Beitrag haben wir geschrieben, dass der Ruderlagengeber keine – oder falsche Informationen geliefert habe. Das ist zwar teilweise richtig – ursächlich aber falsch gewesen. Saphira hatte, als wir sie gekauft haben, bereits eine hydraulische Steuerung. Das bedeutet, dass eine manuell zu bedienende Hydraulikpumpe (mit dem Steuerrad verbunden) Hydrauliköl in den Steuerzylinder pumpt – der dann das Ruder bewegt.
Also – wir hatten zu Beginn auf Saphira nur EINEN Ölkreislauf im Hydrauliksystem. Da für eine Langfahrt aber ein Autopilot UNUMGÄNGLICH ist, haben wir in ein solches System investiert (ein B&G NAC-3). Das bedeutet, dass bei uns der Autopilot die Hoheit über die Steuerung des Schiffes übernehmen können muss – und zwar so, dass der Autopilot und die manuelle Steuerung sich nicht gegenseitig stören oder beeinflussen dürfen.
Wenn also der Kartenplotter feststellt, dass der Kurs leicht falsch verläuft – was bei Wellengang häufig passiert, gibt er ein Signal an den Autopiloten, der dann die dafür eigens installierte Hydraulikpumpe ansteuert – um zu erreichen, dass diese wiederum Öl ebenfalls in den Steuerzylinder pumpt, um die Kurskorrektur zu bewirken. Daraus folgt nun, daß durch den AP ein ZWEITER Ölkreislauf entstanden ist (manuelle Steuerung und automatische Steuerung).
Diese beiden Ölkreisläufe MÜSSEN aber voneinander getrennt sein – sie dürfen sich nicht gegenseitig beeinflussen! Das ist wichtig – denn der Autopilot kann nicht richtig arbeiten, wenn das Öl, das er glaubt für die Kurskorrektur zu pumpen, in die manuelle Steuerung gepumpt wird – und dann das Steuerrad bewegt – nicht aber das Ruderblatt.
Genau das bewirkt ein „doppelter Sperrblock“. Dieses Sperrventil wurde aber von unserem Bootsbauer, den wir beauftragt hatten das System zu installieren, NICHT eingebaut! Er sagte, dass die manuelle Steuerung und die Hydraulikpumpe des AP bereits Sperrventile hätten und daher ein separater doppelter Sperrblock nicht nötig sei. Das war leider ein folgenschwerer Irrtum! Man konnte das eigentlich daran erkennen, dass sich im AP Betrieb das Steuerrad mitgedreht hat – es hätte aber (im AP Betrieb) regungslos verharren müssen. Ohne doppelten Sperrblock hat unser Navigationssystem geglaubt, dass der Ruderlagengeber falsche Informationen liefert – das ist aber völliger Quatsch – die Hydraulikpumpe hat das Öl einfach in den falschen Kreislauf (den der manuellen Steuerung) gepumpt. Das KANN NICHT funktionieren!!!
Lange Rede – kurzer Sinn: Heute Nachmittag wird der neue doppelte Sperrblock eingebaut – und dann gehen wir davon aus, dass wir eine große Baustelle endlich schließen können…
I´ll keep You informed

Shit happens…

Hallo Freunde.

Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt.
Unser Ruderlagengeber hat keine (oder fehlerhafte) Signale an den Autopilot gegeben. Das hat dieser mit diversen Fehlermeldungen quittiert.
Ergebnis: Wir sind zurück in den Hafen und warten auf den Techniker…
Um die Zeit sinnvoll zu nutzen habe ich Sabine in den Grossmast gewinscht um den Verklicker zu reparieren. Das hat sie supergut geregelt! Sabine ist eine tolle Frau! In 14m Höhe seine Angst zu unterdrücken ist nicht jedermanns Sache!
Ich glaube ich sagte es schon: ich bin sooo stolz auf meine tolle Frau…

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Heute Nacht geht es los.

Hallo Freunde.

Wir haben jetzt bis freitag/Samstag ein Wetterfenster. Deshalb werden wir die Chance nutzen und heute Abend noch ablegen. 
Raus auf die Nordsee – Kurs Cherbourg… 
Wir freuen uns sehr! 

Waschtag

Hallo Freunde.

Gestern sind wir mit Saphira in den Lift gefahren um sie aus dem Wasser zu heben.
Wir hatten vermutet daß das Unterwasserschiff in dem Brackwasser in Holland zugewachsen sein würde (wie vor 1 Jahr in Emden) – war es aber nicht. Das Antifouling sah eigentlich nach 1/2 Jahr im Wasser noch gut aus. Auch der Propeller, dem wir vor 1/2 Jahr ein spezielles Antifouling für Propeller „verpasst“ hatten, war weitestgehend ohne Bewuchs.
Der Vorteil: wir können jetzt ganz entspannt ablegen – der Nachteil: scheinbar ist der Propeller nicht optimal an Saphira angepasst. Wir erreichen bei 2000rpm nur 5kn – das dürften bei unserem 60ps Mercedes Motor eigentlich auch 7kn sein. Da es also nicht am Bewuchs liegt, muss es an der „Steilheit“ des Propellers liegen. Für die Fachleute unter euch: wir haben eine 17/10er Schraube – vermutlich wäre 17/11 besser geeignet…
Wie dem auch sei: Wer langsam fährt kommt auch ans Ziel…
Wir werden uns bei Gelegenheit darum kümmern müssen…

Gestürzter Apfelkuchen mit Karamelkruste

Meine werte Gattin ist die tollste Frau der Welt!
Wir liegen noch im Seehafen von IJmuiden und warten auf den Servicetechniker, der am Montag um 9:30h den neuen/alten Autopiloten einbauen wird.
Ganz spontan hat sich Sabine zum nächstgelegenen Supermarkt verabschiedet, um die Zutaten für einen selbstgebackenen Kuchen zu kaufen. Da wir hier natürlich kein Auto haben – immerhin 11km Fussmarsch.
Dann hat sie diesen tollen Kuchen gebacken – gestürzter Apfelkuchen mit Karamelkruste. 
UNGLAUBLICH LECKER!
Das gilt umso mehr, als wir ja auf Saphira keinen Backofen haben. Im Remoska Topf funktioniert es aber mindestens genauso gut… 
DANKE mein Schatz! 
 

Windfahnensteuerung – Ja oder Nein?

Hallo Freunde.
Viele von Euch werden sich fragen: Warum hat Saphira eigentlich keine Windfahnensteuerung? Wir haben uns diese Entscheidung GEGEN eine derartige Anlage nicht leicht gemacht. In diversen nicht enden wollenden Telefonaten mit Peter Förthmann (dem deutschen Papst in Sachen Windfahnensteuerung) haben wir uns BEWUSST GEGEN diese veraltete Technik (und damit auch GEGEN den Papst) entschieden. Eine Windfahnensteuerung lässt sich mit einer hydraulischen Steuerung nicht kombinieren. Originalton Peter Förthmann: „Bauen Sie Ihre Hydraulik aus und ersetzen sie durch eine entsprechende Seilzugsteuerung – dann funktioniert es!“
Das klingt für uns wie: „verkaufen Sie Ihren Mercedes und kaufen sich ein Pferd!“ Das werden wir sicher nicht tun – selbst wenn Herr Förthmann das im Brustton der Überzeugung von sich gibt. Da sind die 3000-6000€ für eine Pacifik plus besser in Batterie und Solarkapazität investiert. Für das Geld könnte man die elektrische Anlage auf SiliziumIonen Batterien umrüsten und zusätzlich 1000W Solarpanele kaufen – ein Riesenvorteil! Zudem kann unsere hydraulische Anlage mit dem B&G NAC3 ebenfalls bei Bedarf nach dem Wind steuern – aber eben auch in Richtung zum nächsten Wegepunkt. DAS können die Anlagen von Herrn Förthmann eben genau NICHT. Dreht der Wind – ändert sich der Kurs – das ist blöd – um präzise zu sein: RICHTIG BLÖD!
Also: Es bleibt dabei! Wir werden den Mercedes behalten und uns KEIN Pferd kaufen…

Seemarina Ijmuiden

Hallo Freunde. Nun sind wir endlich „auf dem Meer“ und nicht mehr im Binnenland. Die SeeMarina Ijmuiden (siehe https://goo.gl/maps/FYKCbG7vzuGxdJ3bA) ist eine gut ausgestattete Marina mit direkter Anbindung an die Nordsee. Sie besteht aus Schwimmstegen, die durch 5m lange Pfähle geführt werden. Ob dieser Tidenhub hier in der Marina jemals erreicht wird, können wir noch nicht sagen – aber es ist ein gutes Gefühl endlich DRAUSSEN zu sein und nicht mehr im Binnenland herumzuschippern… Leider hat unser hydraulischer Autopilot kurz vor der Ankunft seinen Dienst aufgegeben. Ohne „Emil“ wäre es aber sehr mühsam über die Nordsee und die Biskaya zu segeln. Deshalb haben wir hier bis zur Reparatur erst einmal einen Liegeplatz gemietet. Wir halten Euch auf dem Laufenden…

Abgelegt

Hallo Freunde.

Wir haben soeben um 10:30h abgelegt. Kurs: Amsterdam. 
Der Plan ist die biskaja zu queren. Mal schauen wie weit wir kommen… 

…es geht weiter!

Hallo Freunde. Nachdem nun für eine lange Zeit die Grenzen mehr oder weniger geschlossen waren, gibt es zurzeit einige Lockerungen. Obwohl man dies auch kritisch sehen kann – eine „neue Welle wäre eine Katastrophe“ (Originalton meiner liebsten Gattin!) – haben wir entschieden unsere Reise fortzusetzen. Wir werden am Samstag (18.7.) nach Monnickendam zur Saphira fahren und dann am Montag oder Dienstag (abhängig von der Tide) aufbrechen. Ziel ist es zunächst einmal Cherbourg in Frankreich zu erreichen. Ob wir weiter Richtung Brest segeln oder gar schon den Sprung über die Biskaya wagen um La Coruña zu erreichen, werden wir spontan entscheiden. Voraussetzung dafür ist sicher, ein gutes „Wetterfenster“ zu erwischen – also: „schau´n ´mer ´mal“ Wir halten Euch auf dem Laufenden…

Wer WILL – Der KANN…

Hallo Freunde.
Es gibt sehr viele „sogenannte Bootsbauexperten“, die uns bescheinigt haben, daß es unmöglich ist, eine Ankerkette im Schiff 2m nach hinten (und tiefer nach unten) zu verlegen, ohne daß es beim „aufholen“ des Ankers Schwierigkeiten gibt. 
Man hat uns sogar explizit davon abgeraten es überhaupt zu versuchen. „Wenn die Kette nicht sofort senkrecht nach unten im Rumpf verschwindet, ist der Rumpf eine Fehlkonstruktion“ – lautete der sehr professionell vorgetragene Kommentar des Leiters einer Bootswerft. (…ob Herr van de Stadt das wohl anders sieht?)
Da ist man ja als bootsbautechnisch unbedarfter Dipl. Ing. zunächst mal schwer beeindruckt – wenn solche statements von einem offiziellen Bootsbaumeister überzeugt vorgetragen werden. 
Ich habe mich trotzdem nicht beeindrucken lassen. 
Das Ergebnis seht ihr auf beigefügtem Video… 


An dieser Stelle ein Herzliches DANKESCHÖN an Christian Gust von der Firma BOATOON aus Berlin, der die erforderlichen Laufrollen für die Kette bei Osculati in Italien beschafft hat, um sie ohne Berechnung von Mehrkosten nach Monnickendam zur Saphira zu schicken. 
Toller Service – DANKE CHRISTIAN!