…über GEIGEN und Profiskipper, die keine Ahnung haben!

Hallo Freunde.

Heute schreibe ich einen Beitrag, dessen Veröffentlichung mir seit mehreren Monaten auf dem Herzen liegt.

Zur Vorgeschichte. Als wir mit Saphira in IJmuiden lagen und nach Cherbourg wollten, hatten wir reichlich Respekt vor dem Transfer über den englischen Kanal. Deshalb haben wir uns professionelle Hilfe eingekauft. Dieser sogenannte Profiskipper  hatte schon viele 1000 Meilen im Kielwasser und bekam von uns den Auftrag, uns bei der Überfahrt zu unterstützen – ein Vorhaben, das katastrophale Folgen hatte.
Diesem sogenannten Profiskipper haben wir die Entscheidungen wie, wann, wohin zu segeln ist übertragen.
Zunächst einmal sind wir bei 25kn Wind von raumschots losgesegelt – nur mit gesetzter Genua. Also: KEIN Gross und vor allem KEIN Besan.
Für die Nichtsegler: Saphira ist eine Ketsch – hat also 2 Vorsegel (Genua und Fock), ein 3fach reffbares Groß und einen 2fach reffbaren Besan. Da der Lateralplan (Segelplan) einer Ketsch genau daraufhin ausgelegt ist, machen auch alle 4 Segel einen Sinn und erfüllen ihren konkreten Zweck.
Auf die Frage von Sabine: „Warum setzen wir eigentlich keinen Besan?“ bekam sie vom Profi die Antwort: DER BRINGT NIX!
Zum Segelverhalten von Saphira meinte er aber: „DIE KANN NICHT SEGELN – DIE IST JA NUR AM GEIGEN!“ und weiter „ich habe noch nie ein Schiff gesegelt, das SO SCHLECHTE Segeleigenschaften hat!“ Das sollte heißen, dass Saphira im englischen Kanal (dann irgendwann bei 40kn Wind und immer noch nur unter Genua) hin und her gependelt ist – also GEGEIGT hat.
Dies sei der Tatsache geschuldet, dass Saphira SCHLECHT segeln könne und wir uns mit dem Kauf VÖLLIG VERKAUFT hätten – SO der sogenannte Profiskipper!
Welche Auswirkung hat eine derartige Aussage eines sogenannten Profiskippers auf die stolzen Eigner eines Schiffes, das sie vor wenigen Monaten noch für viel Geld umgebaut und für ihre Langfahrt hergerichtet haben?
Um es vorsichtig auszudrücken: Sabine hat, als wir allein waren, geheult – und das passiert meiner Frau Doktor sehr selten bis nie! Ich hatte einen Kloß im Hals und hätte schreien können! Glücklicherweise konnte ich das nicht, da ich durch die GEIGEREI so heftig seekrank war, dass ich die letzten 2 Tage nur im Bett gelegen und gekotzt habe…
Was ist die Moral von der Geschichte: Wir sind auf einen sogenannten Profiskipper hereingefallen, der vom Segeln einer Ketsch KEINE Ahnung hat! Es mag ja sein, dass er in der Lage ist „schwimmende Einfamilienhäuser“ (große Katamarane) erfolgreich zu segeln – bei einer Ketsch wie Saphira war das nicht so! Schlimmer noch – er hat uns das Gefühl vermittelt, dass Saphira ein Fehlkauf sei!
Glücklicherweise lag aber noch die Überquerung der Biskaya vor uns. Dort haben wir dann, gemeinsam mit Ina und Frank, sinnvollerweise immer den Besan zusätzlich gesetzt – und siehe da: KEIN GEIGEN MEHR – und vor allem: KEINE SEEKRANKHEIT!
Im Gegenteil: Saphira segelt „wie auf Schienen!“

ÜBRIGENS: Wenn man mit Wirklichen Segel Profis spricht – und nicht mit irgendwelchen Dahergelaufenen Pseudokapitänen, dann versteht man sofort, daß das Geigen bei einer Ketsch gar nicht möglich ist, weil es ein Besan Segel gibt, das das schlicht verhindert. Wenn man das aber nicht setzt, und den Wunsch mit DAS BRINGT NIX abtut – dann passiert halt sowas…
Was ein bisschen Besan doch so ausmacht!
Wir sind TOTAL HAPPY!!!

Motor-Refit

Hallo Freunde.

In einem der letzten Beiträge habe ich gesagt, dass sich unser Motor „Aktuell einer Schönheitsoperation unterzogen hat!“
Das ist so und war bitter nötig. Immerhin stammt die Maschine von einem Unimog und hat dort schon viele 100.000km als Automotor geleistet, bevor sie auf unserem Schiff verbaut wurde. Jetzt hat sie komplett neue Verschleissteile im Motorblock bekommen, (Kolben, Laufbüchsen, Kolbenringe et cetera), und wird wohl die nächsten Jahrzehnte anstandslos ihren Dienst tun…
Mittlerweile steht die Maschine auch schon wieder auf dem Prüfstand (siehe Video) und wird in den nächsten Tagen eingebaut. Damit haben wir dann diverse Vorteile erreicht.
Neben dem nicht mit Geld bezahlbaren Vorteil des zurückgekehrten VERTRAUENS in die Maschine, haben wir nun statt einer 80A Lichtmaschine eine 165A Lima. Diese hat eine neue (kleinere) Riemenscheibe bekommen. Dadurch dreht die Lima schneller und produziert also damit auch schon im Leerlauf genug Strom zum Aufladen der Batterien.
Da wir auf Saphira keinen Backofen haben sondern mit unserem Remoska Topf backen (also mit Elektrizität)- eine gewaltige Steigerung der Lebensqualität.
Weiterhin haben wir bei dem Refit die Untersetzung des Getriebes von 1,9 auf 2,7 geändert. Damit können wir die Schraube (bisher 17/10) auf 19/14 vergrößern.
Für die Laien: die Schraube dreht jetzt langsamer – produziert aber durch den größeren Durchmesser (19 Zoll statt 17 Zoll) und die höhere Steigung (14 Grad statt 10 Grad) mehr Schub…
Wir sind sehr gespannt und freuen uns auf das Ergebnis…